aus der CHRONIK

Der Grundstein zum heutigen TSV Münstedt wurde vor mehr als 100 Jahren gelegt. Im Jahre 1892 fanden sich in unserer Gemeinde junge Männer, die erkannt hatten, dass zu einem gesunden Geist auch ein gesunder Körper gehört. So gründeten sie am 2.8.1892 in der Gastwirtschaft Cramm den Turnverein „Vater Jahn" Münstedt. Die Gründer waren Tischlermeister Heinrich Warmbold und Schneidermeister Wilhelm Brandes.
In den folgenden Jahren stand der Turnsport in Münstedt in voller Blüte. Mehrmals war der Verein Träger des Verbandstumfestes. Auf diesen Verbands- und Gautumfesten errangen die jungen Turner viele Siegerpreise und Diplome. Der 1. Weltkrieg (1914—1918) riss im Verein viele Lücken, die nie wieder gefüllt werden konnten. Dieses war wohl auch mit ein Grund, daß der Turnbetrieb gegen Ende der 20er Jahre fast ganz einschlief, da die jüngeren Mitglieder für das Geräteturnen kein Interesse zeigten und die jetzt aufstrebenden Sportarten Leichtathletik und Fußball sich stark in den Vordergrund schoben. So bestand der Turnverein „Vater Jahn" nur noch aus passiven Mitgliedern.

KONKURRENZ DURCH RADSPORT UND FUSSBALL
Nachdem bereits vor dem 1. Weltkrieg sich viele Münstedter Einwohner aktiv dem Radsport in gleich zwei Radsportvereinen im Ort widmeten, wurde nach mehrfachen Versuchen in den Jahren 1920—1925 ein weiterer Sportverein gegründet, in dem der Fußballsport betrieben werden sollte. Diesem Verein war jedoch kein langes Bestehen gegönnt, denn es musste zum Teil auf unebenen Wiesen und vor allem auf dem kleinen Platz bei der Gastwirtschaft Burgdorf (heutiges Ehrenmal) gespielt werden. Da kein wettkampfmäßiger Platz vorhanden war und sich damals noch viele einflussreiche Münstedter Einwohner gegen den Fußballsport stemmten, erfolgte bald die Auflösung dieses Fußballclubs, der wegen der rot-weißen Vereinsfarben von einigen Nachbarvereinen auch mit „Erdbeere Münstedt" tituliert wurde.

ZUSAMMENSCHLUSS DER TURNER MIT DEN SCHÜTZEN
Während der Turnverein „Vater Jahn" ein mehr oder weniger kümmerliches Dasein führte, wurde am 23.4.1933 der Kleinkaliber-Schützenverein „Diana" gegründet. Als 1. Vorsitzender wurde der Landwirt Hugo Kielhorn und als 2. Vorsitzender Schlächtermeister Hermann Hesse gewählt. Da der Schießsport damals durch die NSDAP-Regierung stark gefördert wurde, konnte auch bald in Gemeinschaftsarbeit ein neuer Schießstand auf dem Rottengelände gebaut und zum Schützenfest 1933 eingeweiht werden. Der K. K S.-Verein stand nun in voller Blüte.
Der neue 1. Vorsitzende hieß am 9.2.1935 Heinrich Struck und wurde als „Vereinsführer" bezeichnet. Als sich 1938 immer mehr Jugendliche des Turnvereins „Vater Jahn" dem K. K. S. „Diana" anschlossen und der Turnverein nicht mehr in der Lage war, die Beiträge an den damaligen Reichsbund für Leibesübungen in Berlin abzuführen, musste der Vorstand den Mitgliedern vorschlagen, sich nun dem K.K.S. „Diana" anzuschließen, um das vorhandene Eigentum (Turngeräte, Fahne usw.) im Ort zu behalten. Am 13.11.1938 kam es zum Zusammenschluss in einer außerordentlichen Generalversammlung des K. K. S. „Diana", der Eigentum und Schulden des Turnvereins übernahm.
Der 2. Weltkrieg (1939— 1945) ließ den Schießsportbetrieb immer mehr einschrumpfen, so dass am 26.1.1941 letztmals eine Generalversammlung durchgeführt wurde. Als 1945 der Weltkrieg beendet war, beklagte der K.K.S. „Diana" den Tod von 19 auf den Schlachtfeldern gefallenen jungen Mitgliedern.

GRÜNDUNG DES „TSV MÜNSTEDT"
In den Wirren der ersten Monate nach dem Weltkrieg dachte zunächst noch niemand an den Sport. Die Alliierten hatten Deutschland besetzt, und in Münstedt zogen am 10.4.45 amerikanische Truppen ein. Alle Vereine waren zunächst verboten. Erst gegen Ende des Jahres 1945 kam es zu einer gewissen Auflockerung der Gesetze der alliierten Besatzung, die es gestattete, dass Sportvereine (allerdings unter einem anderen Namen) neugegründet, jedoch Schießsportvereine weiterhin verboten wurden. Unter diesen Umständen war es verständlich, dass am 1.12.45 von den restlichen Mitgliedern des K.K.S. „Diana" unter Leitung des damaligen Bürgermeisters Karl Warmbold der Beschluss gefasst wurde, einen neuen Sportverein zu gründen, um das verbliebene Vereinsvermögen zu retten. Am 15.12.45 war es dann soweit: 33 Männer trafen sich in der Gastwirtschaft Cramm und gründeten den heutigen „TSV von 1892 Münstedt". In dem Protokoll heißt es u. a. wörtlich: „In der auf den heutigen Abend einberufenen Versammlung, die durch den Bürgermeister (Karl Warmbold) geleitet wurde, erklärten sich die ehemaligen Mitglieder des Kleinkaliber-Schützenvereins „Diana" bereit, einen Sportverein zu gründen, der den Namen tragen soll: „Turn- und Sportverein Münstedt". Das gesamte Vermögen des K. K. S. ging zum Tum- und Sportverein über. Die Führung hatten bis auf weiteres der Bürgermeister Karl Warmbold und der Vereinsvorsitzende des ehemaligen K. K. S. „Diana", Otto Meyer sen., übernommen.

FUSSBALL - VON DER GRÜNDUNG DES TSV BIS HEUTE
Aus den 33 Gründungsmitgliedern wurde die erste Fußballmannschaft gebildet. Mit Begeisterung jagte sie der nicht immer runden Lederkugel nach. Dass man auf unebenen Wiesen am neuen Teich und später am Walde Richtung Schmedenstedt keine guten Sportmöglichkeiten vorfand, tat der Freude keinen Abbruch.
Die erste Generalversammlung des TSV Münstedt fand am 9.3.1946 statt. Hier traten Karl Warmbold und Otto Meyer sen. von ihren Ämtern zurück. Letzterer wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der erste komplette Vorstand des TSV setzte sich zusammen aus Otto Kielhom (1. Vorsitzender), Otto Meyer jun. (Schriftführer) und Hugo Kielhorn (Kassenwart).
Da das Fußballspielen auf den Wiesen sich auf Dauer als unmöglich erwies, stand das Problem eines neuen Sportplatzes groß im Raum. Der Bau dieses Platzes im Walde fand zunächst weder bei einigen Forstinteressenten noch beim Landesforstamt Zustimmung. Schließlich konnte er aber doch im Herbst 1946 mit dem Sprengen von Eichen- und Buchenstuken in Angriff genommen werden. Der neue 1. Vorsitzende Hugo Kielhorn, der am 10.7.1946 Otto Kielhorn abgelöst hatte, pflügte selbst Erde an der Straße von Münstedt zum Walde ab und fuhr sie zusammen mit anderen Landwirten zum neuen Platz.
Bereits am 1.6.1947 konnte die Platzeinweihung mit einem Fußball-Blitzturnier, Frauen-Handballspiel, 3000m-Lauf, Platzkonzert und Tanzvergnügen gefeiert werden. Eine Geldsammlung im Ort ergab den stolzen Betrag von 3 647 RM. Der Platz selbst kostete 5395 RM.
Am Fußballwettspielbetrieb nahmen im Sommer 1947 nun zwei Herren-, eine Jugend- und eine Knabenmannschaft teil. Schon 1948 konnte der erste Erfolg verbucht werden, als die 1. Herrenmannschaft Meister der Kreisklasse wurde.
Eine unter dem Lehrer Liedtke gegründete Theatergruppe hatte mit ihren Auftritten an den Feiertagen stets einen vollen Saal und wurde finanziell vom TSV getragen. Neben dem Fußballsport kam es im Juni 1947 auch zur Gründung einer Damen-Handballmannschaft, der damals 26 Damen beitraten, so dass der Verein Anfang 1948 schon 177 Mitglieder hatte. Nach einigen schönen Erfolgen ging die Handball-Ära aber schon 1949 zu Ende.
Die Führung des Vereins lag vom 9.2.1949 an bei Gustav Schridde sen., der am 5.1.1952 das Amt an Heinrich Becker übergab, der wiederum am 17.12.1955 von Kurt Ebeling abgelöst wurde.

Im Fußballsport ging es nur langsam aufwärts. Besonders gute Leistungen boten in der Saison 53/54 die 1. Herrenmannschaft als Vizemeister hinter Klein Bülten und die Knabenmannschaft, die mit 75:7 Toren Staffelmeister wurde und in der Kreismeisterschaft erst gegen den VfB Peine knapp scheiterte. In dieser Mannschaft spielten die später lange Jahre so erfolgreichen Akteure Heinz Steugck, Gerhard Kempe sowie die Brüder Arnold und Hans-Werner Becker.
Im Frühjahr 1958 wurde die 1. Herrenmannschaft nach 2 Entscheidungsspielen gegen Klein Ilsede Staffelmeister der 2. Kreisklasse Süd und schaffte damit den Aufstieg in die 1. Kreisklasse, musste jedoch ein Jahr später wieder absteigen. Nachdem zuvor die Fußballabteilung u. a. durch die Obleute Karl Skopp, Heinrich Becker, Heinz Meyer und Hugo Justen geleitet wurde, übernahm am 10.10.1958 Rainer Damerau die Leitung dieser Abteilung, der gemeinsam mit seinem Stellvertreter Arnold Becker bis in die heutige Zeit positive Akzente im Verein für den Fußball setzte.
Im Mai 1964 beschloss eine außerordentliche Mitgliederversammlung den Bau eines neuen Sportplatzes im Wald in der Nähe des Friedhofes. Obwohl hierfür schon umfangreiche Massen von Muttererde angefahren worden waren, musste doch im Herbst 1965 der Sportplatzbau abgebrochen werden, da die Kommunen (Gemeinde und Landkreis Peine) keine finanziellen Zuschüsse gewährten. Dafür wurde nun der bisherige Sportplatz einer Generalüberholung unterzogen und ein neues Sporthaus geplant. Am 15.10.1966 war Baubeginn, am 24.5.1969 Einweihung. Als sehr kostspielig erwies sich die Verlegung einer neuen Wasserleitung vom Friedhof zum neuen Sporthaus. Ein hoher Einsatz von wenigen Vereinsmitgliedem war erforderlich, um diesen Neubau in Eigenarbeit zu erstellen, wobei insbesondere Heinrich Becker alle Kräfte mobilisierte, um den Fußballern ein schmuckes Haus zu übergeben.
Im Jahre 1967 ließen die Fußballer wieder mit Erfolgen aufhorchen. Die 1. Herrenmannschaft schaffte den Wiederaufstieg in die A-Klasse (heutige 1. Kreisklasse), eine 2. Mannschaft wurde neu aufgestellt. Ein großer Erfolg war das Fußballpokaltumier im Sommer 1969. Begünstigt durch ein herrliches Sommerwetter, durch lokale Spielpaarungen und eine umfangreiche Berichterstattung in der Lokalpresse kamen insgesamt 5 800 Zuschauer zu den 16 Spielen, wobei das von Oberg mit 3:2 nach Verlängerung gewonnene Endspiel allein über 800 Zuschauer sahen.
Dieses Turnier fand im Rahmen des 75jährigen Bestehens des TSV statt. Neben Auftritten der Gymnastikdamen auf dem Sportplatz und Pokalschießen auf dem Schießstand hatte die Tischtennisabteilung Gäste aus Süd-Frankreich, gegen die es in der Oberger Sporthalle zu einem Vergleichswettkampf kam.
Unter dem damaligen Abteilungsleiter Heinz Lütjering und Trainer Werner Jeske kamen die Fußballer sehr gut in Schwung. Die 1. Herrenmannschaft schaffte im Mai 1968 den Aufstieg in die 1. Kreisklasse (heute Kreisliga), gewann den Angriffspokal der Peiner Allgemeinen Zeitung mit 94 Toren, zog ins Kreispokal-Endspiel ein und verlor dieses erst im Wiederholungstreffen mit 2:3 gegen den MTV Peine. In die 2. Kreisklasse stieg 1969 die 2. Herrenmannschaft auf, während die 1. Mannschaft im Mai 1972 wieder absteigen musste.
Aus Anlass des 25jährigen Bestehens der Fußballabteilung fand im Juli und August 1971 ein weiteres Fußballpokalturnier statt, das erneut viele Zuschauer anzog und von Adenstedt mit 5:0 gegen Schwicheldt gewonnen wurde.

Nach mageren Jahren meldete die Fußballabteilung im Mai 1975 unter Trainer Wolfgang Kremrich eine Meisterschaft der ersten Herrenmannschaft in der 1. Kreisklasse Süd und den damit verbundenen Aufstieg in die Kreisliga. Leider musste die Mannschaft nach der folgenden Saison 1975/76 wieder absteigen. Entscheidend hierfür war ein Punkt, errungen im August 1975, der acht Monate später satzungswidrig von der spielleitenden Stelle des Kreis-Fußballverbandes aberkannt wurde. Da vom TSV Münstedt hiergegen kein schriftlicher Einspruch eingereicht wurde, entschied das Kreis-Sportgericht, dass es bei der Fehlentscheidung des NFV-Kreises Peine blieb und der TSV Münstedt wieder in dieKreisklasse Süd absteigen musste.Nicht sehr viel Positives ist über die Fußballabteilung in den Jahren bis 1980 zu berichten. Spielerabwanderungen führten zu einem großen Aderlass bei den Herren. In der Jugendfußballabteilung, wo sich Erwin Sissel stark engagierte, kam es zunächst mit BW Schmedenstedt und von Januar 1981 an mit Fortuna Oberg zu einer Spielgemeinschaft. Einige jüngere Münstedter Kicker hatten so auch Gelegenheit, an internationalen Turnieren in Spanien, Belgien und am Danacup in Dänemark teilzunehmen.
Im Jahre 1982 übernahm Karl-Heinz Grobe von Rainer Damerau die Leitung der Fußballabteilung. 1982 musste die 1. Herrenmannschaft in die Kreisklasse absteigen und die 2. Herrenmannschaft ganz zurückgezogen werden. Danach ging es jedoch wieder aufwärts mit der Neubildung einer 2. Mannschaft, einem 2. Platz für die Altherren- und der Staffelmeisterschaft beider D-Jugendmannschaften. Während nun auch eine Damenmannschaft den Spielbetrieb aufnahm, die 1987 wegen Abwanderung fast aller Spielerinnen wieder aufgelöst werden musste, stieg die 1. Herrenmannschaft 1984 in die 1. Kreisklasse auf. In einem harten Zweikampf mit Sierße/Wahle errang diese Mannschaft 1987 die Staffelmeisterschaft in der Südstaffel und konnte unter Trainer Burkhard Oeller in die Kreisliga aufsteigen.